Reptilienfutter – gesund und artgerecht

Bei Hunde- und Katzenbesitzern erfreut sich die Fütterung mit B.A.R.F. (Bones and Raw Foods, im Deutschen für gewöhnlich mit Biologisch artgerechtes frisches Futter übersetzt) einer stetig wachsenden Anhängerschaft. Zuviel hat man mittlerweile über die schädliche, ja sogar krankmachende Wirkung von Industriefutter gelesen, nicht zuletzt im aufsehenerregenden Sachbuch „Katzen würden Mäuse kaufen“ vom „Die Suppe lügt“-Autor Hans-Ulrich Grimm. Selbst zubereitetes, gesundes Futter hingegen ist in Reptilienhalterkreisen nichts Neues, denn schließlich gehört zu einer artgerechten Reptilienernährung nun einmal das Füttern von Beutetieren dazu. Doch mit steigender Zahl der Reptilienhalter in Deutschland scheint auch die Bequemlichkeit zu wachsen, und immer mehr industriell (vor-)gefertigtes Futter für Reptilien drängt auf den Markt.

Beliebtes Reptil

Die zunehmende Beliebtheit von Reptilien liegt – neben einem gewissen „exotischen Flair“ wohl auch darin begründet, dass Schlangen und Echsen im Gegensatz zu anderen Haustieren sind recht genügsam sind, keine aufwändige Beschäftigung oder Fellpflege benötigen und auch mal ein paar Tage allein sein können. Leider führt dies aber auch dazu, dass viele Reptilien unter falscher und nicht artgemäßer Haltung leiden – denn auch, wenn sie einfach in der Pflege sein mögen, was ihre Haltungsbedingungen betrifft, sind die Exoten recht anspruchsvoll. Das fängt schon bei der Fütterung an. Schließlich ernährt sich kein Reptil dieser Welt natürlicherweise von Pellets, Futtersticks & Co – auch wenn Zoohandlungen einen das gern glauben machen wollen. Um dem Anspruch des Reptils an eine artgemäße Ernährung gerecht zu werden, muss erst einmal ein Blick auf dessen natürliche Nahrungsgewohnheiten geworfen werden.

Keine Angst vor der Lebendfütterung!

Um es gleich vorweg zu sagen: Wer ein Reptil halten möchte, kommt – bis auf wenige Ausnahmen – nicht drum herum, eine Lebendfütterung vorzunehmen, das heißt, es wird mit Insekten oder Kleinsäugern gefüttert. Ein Gecko mag sich noch mit Salat zufrieden geben (den er jedoch auch gern mit Heimchen angereichert sieht), doch eine große Schlange verlangt es schon nach ein bis zwei kompletten Kaninchen pro Monat. Zwar finden sich von einigen Herstellern auch tief gefrorene Futtertiere wie beispielsweise Babymäuse, doch darf man nicht vergessen, dass bei vielen Reptilienarten nur lebendiges Futter den Beutetrieb auslöst und ein totes Futtertier oftmals verschmäht wird. Lebendfutter ist, auch wenn es dem Menschen grausam scheint, auch Spiel und Beschäftigung für die Tiere. Kein industriell hergestelltes Futtermittel kann jenen Reiz, welches ein lebendes Beutetier darstellt, simulieren! Zumal abgepacktes Frostfutter oftmals weite Transportwege hinter sich hat, bis es in den Regalen der Händler landet, wodurch viele Vitamine und Mineralien verloren gehen. Lebende Futtertiere sind für die Gesundheit der Reptilien durch nichts zu ersetzen. Letzten Endes lässt sich auch die – den Jagdtrieb mit auslösende – natürliche Körperwärme des Futtertieres nicht mit der Mikrowelle herstellen, weshalb nicht lebendiges Futter von vielen Reptilien verschmäht wird. Wer es nicht übers Herz bringt, lebende Mäuse oder Kaninchen zu füttern, sollte keine Reptilien, zumindest keine großen, halten. Auf der anderen Seite, das sei der Vollständigkeit halber erwähnt, hört man auch des Öfteren von Reptilienbesitzern, deren Tieren – zumeist Farmzuchten – der Jagdtrieb komplett verloren gegangen ist und die eher verschreckt reagierten, als man sie mit einem lebendigen Beutetier konfrontierte. Welches natürlich seine Chance witterte und dem Reptil einen Biss verpasste. Im schlimmsten Falle kann so etwas mit einer Blutvergiftung enden, im besten Falle ist der Reptilienhalter nun auch noch unfreiwilliger Besitzer von Nagetieren ... Wer solch ein Reptil sein Eigen nennt, ist mit Frostfutter sicherlich besser beraten. Allerdings kann die jagdunerfahrende Schlange auch wieder lernen, Beute zu machen. Sie wird es mit einem Plus an Gesundheit danken.

Futterinsekten selbst züchten

Kleinere Reptilien lassen sich immerhin von Insekten ernähren, was vielen Menschen weniger Probleme bereitet. Mücken, Würmer & Co. scheinen sich eben nicht derselben Sympathie zu erfreuen wie „niedliche“ Kaninchen und Mäuse! Doch auch die Insekten sollten nur in Ausnahmefällen als Trocken- oder Frostfutter gegeben werden. Das Zauberwort heißt auch hier Lebendfutter – schließlich wirkt sich mangelnde Agilität des Futtertiers negativ auf das Beuteverhalten vieler Echsen aus. Dies erkennen immer mehr Hersteller an, die lebende Insekten im Angebot führen, beispielsweise Wüstenheuschrecken. Für diejenigen allerdings, die die volle Kontrolle über Herkunft und Nährstoffgehalt der Futterinsekten behalten wollen, empfiehlt sich die Fütterung mit selbst aufgezogenen Futterinsekten – preiswerter ist sie obendrein, und im Gegensatz zur selbstgezogenen Futtermaus auch unproblematischer. Im Vergleich zu den schon angesprochenen Wüstenheuschrecken sind Wanderheuschrecken sehr viel leichter zu züchten: Zum einen vermehren sie sich häufiger, zum anderen erfolgt ihr Wachstum schneller. Wanderheuschrecken werden von vielen Reptilien gern genommen, ob Bart- bzw. Wasseragamen, Waranen, Chamäleons oder Geckos – für all diese haben sich Wanderheuschrecken als gesunde und unproblematische Futterquelle erwiesen. In einem kleinen Terrarium oder einer Faunabox fühlen sich die Heuschrecken bei 28 bis 30 Grad wohl, noch dazu, wenn sie die Gelegenheit zum Klettern bekommen. Eierkartons bieten hier eine preiswerte wie geeignete Möglichkeit. Gefüttert werden die Insekten mit frischem, unbehandeltem Grünfutter wie beispielsweise Löwenzahn, aber auch frische Weizenkeime oder Haferflocken eignen sich hier gut. Wenn zusätzlich darauf geachtet wird, dass sich kein Schimmel bildet und alle Futterreste immer zügig entfernt werden, steht einer gesunden privaten Heuschreckenzucht – und somit der Nahrungsgrundlage vieler Echsenarten – nichts mehr im Wege.